Gedanken über Knoblauch

Ist es Ihnen auch schon einmal aufgefallen, dass Knoblauch in letzter Zeit immer öfter einen mehr oder weniger muffigen Geruch aufweist? Dieser Geruch ist zum Glück nie so vordringlich gewesen, dass er im fertigen Gericht gestört hätte. Allerdings erinnerte er mich fatal an den Geruch, den ein TCA-verseuchte Korken von sich gibt. Vor kurzem aber habe ich einmal einen gelben Ketchup gemacht und ihn dann zwei Wochen reifen lassen.

Voller Stolz habe ich ihn präsentiert, um beim Verspeisen nur das Gesicht zu verziehen. Muff, Keller, Gammel sind noch die besten Ausdrücke, um das zu beschreiben, was uns aus dem Glas entgegen kam. Ich habe mir lange Zeit den Kopf darüber zerbrochen, was diesen Geschmack ausgelöst haben könnte; zuerst hatte ich das Curry-Pulver im Visier, um schlussendlich das Alginat zu verdächtigen, das ich zum Eindicken verwendet habe.

Vier Wochen später jedoch passierte etwas Komisches: In Vorbereitung eines neuen Hauptgerichts erzeugte ich im Laufe des Samstags eine BBQ-Sauce und einen Kohlsalat. Als ich diese am Sonntag Morgen gegen meine sonstige Gewohnheit probierte, schlug mir derselbe dumpfe, modrige Geschmack entgegen. Sowohl BBQ-Sauce als auch Kohlsalat waren ungenießbar. Zum Glück gab es nur ein einziges Element, das ich in beiden Speisen gemeinsam verwendet habe: Knoblauch in nicht geringen Mengen. Und richtig, der Knoblauch, den ich noch übrig hatte, wies ebenfalls den schon angesprochenen Kellergeruch auf. Ich habe ihn natürlich sofort entsorgt und mich im Internet auf die Ursache dieser Geschmacksverfälschung gemacht. Wie gesagt war mir eine ähnliche unspezifische Geschmacksverschiebung vom Wein bekannt: Dort bewirkt Trichloranisol (TCA), besser bekannt als Verursacher des Korkschmeckers, jährlich Schäden in unbekannter Höhe. Und so machte ich mich auf die Suche, und nach einiger Zeit fand ich eine Quelle, die meine Vermutung bestätigte: Knoblauch ist eine Frucht, in der der Pilz gedeiht, der TCA produziert.

Zitat: Bei Schimmelbefall von vielen anderen Lebensmitteln […] entsteht ebenfalls TCA. So kann auch ein Knoblauch, eine Zitrone oder ein Tomatensaft ein ganzes Essen verpesten. Meistens sogar, ohne in Verdacht zu geraten, denn der Stinker bleibt meist so unerkannt wie der Furzende im Massenlager.”

Seither bin ich beim Kauf von Knoblauch SEHR vorsichtig. Außerdem habe ich für alle Fälle zwei zweifelsfrei unbelastete Knoblauchknollen kleingeschnitten und eingefroren. Daran kann ich mich bedienen, wenn ich einmal keinen reintönigen Knoblauch finden kann. 😉

Heut’ geht’s mir gut! 😎

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1 Response to Gedanken über Knoblauch

  1. werner & regula says:

    Lieber Hubertus

    Ihr bericht zu einem TCA-verseuchten knoblauch hat uns im wahrsten sinne des wortes erleichtert und erleuchtet. Vor einigen minuten haben wir eine mahlzeit beendet und hatten einmal mehr den eindruck, dass mit dem im gericht verwendeten knoblauch etwas nicht stimmte.

    Uns hat der geruch/geschmack eines “schlechten” knoblauchs schon immer an das übel eines “zapfenweines” erinnert. Irgendwann, so dachten wir, würden wir uns im internet auf die suche nach der ursache für diesen übelgeruch/geschmack machen. Heute haben wir dies in die tat umgesetzt, und siehe da, es gibt – wie in so machen fällen – irgendwo auf der welt einen menschen, der sich schon mit demselben problem beschäftigt hat.

    Herzlichen dank für die wertvolle information.

    Es lebe der TCA-freie knoblauch, ohne den die welt und vorallem die küche um einiges ärmer wäre.

    Mit herzlichem gruss

    werner & regula (und schwiegermutter gertrud)

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