Daruma – Hamburg

Seit langem steht der Besuch im Daruma auf meiner Wunschliste. Von zu vielen Seiten hatte ich etwas über das Restaurant gehört, zu oft war ich über den Namen gestolpert. Aber irgendwie war bisher immer etwas dazwischen gekommen. Entweder hatte das Restaurant keinen Platz für uns, oder es war schlicht geschlossen, wenn wir davor standen. Gestern aber hat es endlich einmal geklappt.

Pünktlich um 20:00 Uhr stehe ich vor dem Eingang, der sich im Dunkeln allerdings bei Weitem nicht so einladend zeigt wie auf dieser Tageslichtaufnahme. Dieser leicht schmuddelige Eindruck setzt sich auch im Restaurant selbst fort. Die Einrichtung hat ihre besten Jahre hinter sich, der Boden ebenso, und das, was man von der Küche sieht, kann von einem Küchenlaien leicht mit “untragbar” bezeichnet werden. Trotzdem setze ich mich an einen Tisch – da ich alleine bin, möchte ich Platz um mich herum haben, der an der Theke nicht gewährleistet ist – und studiere die (ebenfalls etwas schmierige) Karte. Ich sitze hier in einem typischen Izakaya, in dem es neben Alkoholika auch etwas zu essen gibt. Das bedeutet, dass es eben keine typische Sushi-Bar ist, dass es keine Spezialisierung auf Nudelsuppentöpfe oder Tapanyaki gibt, dass man statt dessen eine Speisekarte vor sich hat, die (fast) alle diese Komponenten aufweist. Und diese enthält nicht nur die allseits bekannten Gerichte, sondern auch Speisen, die man in Europa normalerweise nicht bekommt. Ich habe mir als Vorspeise geriebenen Rettich mit kleinen Fischen bestellt (wobei die kleinen Fische leider nicht vorrätig waren) sowie Maguro Natto, fermentierte Sojabohnen mit Thunfisch. Als Ersatz für die ausgefallene Vorspeise habe ich auf Tsukemono umgeschaltet, sauer-salzig eingelegtes Gemüse.

Zu der Qualität der Photos: Leider hatte ich meinen Photoapparat nicht dabei, daher musste ich mich mit meinem Handy begnügen. Und dessen Qualität ist nicht die Beste.

Auch wenn es so aussieht: Der Chinakohl ist kein scharfes Kimchi, sondern, genau wie die anderen Gemüse, sauer-salzig eingelegt. Wie schaffen es die Japaner, die Pickles so hinzubekommen? Außen weich, fast schmelzend, innen aber so knackig, dass sie beim Hineinbeißen quietschen.

Das Maguro Natto hat meine Erwartungen voll erfüllt: Sehr frischer Thunfisch, nur kurz fermentierte, knackige Sojabohnen, mit kleingeschnittenen Pickles, Sesamsamen und Sojasauce gewürzt sowie mit Noristreifen garniert.Die Bohnen sind vielleicht etwas zu kurz fermentiert, sie schmecken aber im Zusammenhang mit dem Maguro einfach hinreißend.

Zu der Hauptspeise gibt es eine einfache, aber schmackhafte Miso-Suppe, die im Gegensatz zu vielen Angeboten in anderen Restaurants nicht übermäßig gesalzen ist.

Als Hauptspeise habe ich eine Bento-Box ausgewählt, da sich hier der jeweilige Koch selbst verwirklichen kann. Es ist schon des Öfteren vorgekommen, dass meine Bento-Box, nachdem ich bei den Vorspeisen gezeigt hatte, dass ich mit japanischen Speisen vertraut bin, anders aussah als die von meinen Begleitern, die “ganz normale” europäisierte Vorspeisen gewählt hatten. Hier jedoch bekam ich die Standard-Version.

Der Hauptteil ist mit ungewürztem, ungesalzenem Reis gefüllt, den man nach eigenem Gusto anmachen kann. Der Salat ist knackig, leicht auf der saueren Seite. Die warmen Speisen sind ein etwas zu lang gebratener Lachs, saftig gebratene Hühnchenbruststücke sowie eine Tempura-Garnele, die leider etwas zu weich ist. Begleitet wird das Ganze durch einen Algen-Salat, der die einzelnen Geschmäcker gut zu trennen weiß. Der kalte Teil wird durch Sashimi vom Suzuki, Sake und Maguro (Wolfsbarsch, Lachs und Thunfisch) repräsentiert, leider ohne den sonst üblichen geriebenen Rettich (vielleicht war doch eher der Rettich anstatt der kleinen Fischchen nicht mehr vorrätig? 😉 ). Als süßen Bestandteil gibt es zwei Stücke Tamago, ein geschichtetes süßes Omelette.

Neben dem üblichen grünen Tee habe ich mir einen kalten Sake gegönnt, der in einem überfließenden Holzbecher mit dem dazu gehörenden Salz gereicht wurde.

Die Nachspeise musste leider entfallen, da es im Damura kein Inari-Sushi gibt.

Mein Fazit: Wenn man mit dem Wissen hingeht, dass man eine Kneipe besucht, dann kann man den Abend genießen. Wenn man eine typisch deutsche saubere Umgebung mit schniekem Personal und leiser exotischer Musik erwartet, dann sollte man es tunlichst unterlassen, hierher zu kommen. Für mich war es sicher nicht der letzte Besuch.

Heut’ geht’s mir gut! 😎

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