Wie man sich doch täuschen kann…

Auf dem Weg in mein Hotelzimmer ist mir ein Plakat mit einer Werbung für ein argentinisches Steakhaus aufgefallen. Allerdings nicht wegen der Bilder, sondern weil in der Speisekarte, die als Flyer im Aufzug auslag, alle normalen Preise durchgestrichen und statt dessen ein neuer, halbierter Preis eingetragen war.

Klar, es gibt Gebiete in Berlin, da habe ich das bei Ketten-Mexikanern schon erlebt, aber noch nicht in Friedrichshain. Und nicht in einem Steakhaus.

Also ging ich hin. Sehr im Zweifel mit mir selbst, ob ich dies nicht bereue, drehte ich sogar noch einmal ab, als ich des wenig einladenden Raucherbereich vor dem Restaurant ansichtig wurde, durch den man in das Lokal betreten muss.

Doch ich hatte bei dem Blick in das Restaurant gesehen, dass die Mehrzahl der Tische reserviert waren, also überredete mich und ging hinein. Die erste Überraschung war der Raucherbereich: Es roch nicht nach Rauch.

Die Karte kannte ich ja schon von dem Flyer, daher ging die Bestellung schnell: Eine scharfe Bohnensuppe und ein Entrecote mit Papa Asada und Sauce Bearnaise. Natürlich englisch.

Die Einrichtung ist ansprechend, man kann sich wohlfühlen.

Die nächste Überraschung kam direkt nach der Bestellung: Ich bekam vier Einback mit einer guten, leicht säuerlich abgeschmeckten Mayonaisse. Das hatte ich wirklich nicht erwartet.

Sehr schnell – das ist das Schicksal von Alleinessern – kam die Suppe. Aber auch die überraschte: Frisch gekocht, mit abgezogenen Paprika, Gemüsezwiebeln, Tomaten und wenigen Kidney-Bohnen, dafür umso mehr frischen, kleingeschnittenen Pepperoni. Ganz ehrlich: In welchem normalen Steak-Restaurant bekommt man eine frisch gekochte Bohnensuppe? Weder beim Blockhaus noch bei Churasco, von den Pseudo-Tex-Mex-Läden ganz zu schweigen. Ich bin beeindruckt.
Und dann kam die Hauptspeise, leider auch wieder zu schnell. Dafür auf den Punkt richtig gegart: die Kartoffel exakt durch, das Fleisch genau richtig.

Das Salat-Bouquet mit der Tomaten-Mayo und dem Paprikastück muss man unter “das wollen unsere Gäste so” abbuchen.

Auch die Bearnaise war überraschenderweise nicht die von Thomy, die man sonst überall vorgesetzt bekommt. Es war zwar keine echte Bearnaisse, sie hat aber trotzdem gut gepasst und geschmeckt.

Hier ist noch der Beweis, dass man auch in Deutschland sein Fleisch englisch bestellen kann und es dann auch so kommt: 😉

Und sonst? Ich habe nette Gesprächspartner gefunden (ein Ire und eine Norwegerin saßen neben mir und suchten das Gespräch mit mir), ich habe einen gemütlichen Abend verbracht (na ja, eine gemütliche Stunde…) und besser gegessen als erwartet. Bezeichnend war, dass mehr als die Hälfte aller Besucher Nicht-Deutsche waren, ich weiß allerdings nicht, ob es Expatriates oder Touristen waren.

Die Beliebtheit des Restaurants sah man auch daran, dass die Hälfte aller Tische als reserviert gekennzeichnet waren …

und sie dann auch wirklich besetzt wurden. An einem Montag Abend!

Ein weiteres meiner Vorurteile wurde nicht bestätigt: Die Bedienung und der Barkeeper unterhielten sich auf spanisch. Das hatte ich wahrlich nicht erwartet…Heut’ geht’s mir gut! 😎

Print Friendly, PDF & Email