Berliner Spitzen – Udagawa

Heute gönne ich mir den (wiederholten) Besuch in einem Restaurant, das auch schon im Gault Millau erwähnt wurde. Und bei dem ich mir sicher bin, dass ich mich wohlfühlen werde: Das Udagawa in der Schlossstraße 24 in Steglitz.

Hier bekommt man authentische japanische Küche, gekocht von Japanern, serviert von Japanerinnen. Der Sushi-Koch hinter der Theke benutzt die langen Metall-Stäbchen, um das Sashimi und die Beilagen kunstvoll auf den Tellern anzurichten, was man nur noch in den seltensten Fällen sieht.

Bei Sushi ist es einfach, sich die passenden Getränke auszuwählen, auch wenn man noch nicht weiß, was man essen will. Ich gönne mir einen Uragasumi-Sake, einen kalt zu trinkenden Reiswein sowie einen Genmai-Cha, einen grünen Tee, der mit geröstetem Puffreis versetzt ist.

In dem schwarzen Bottich befindet sich Eis, mit dem der Sake kalt gehalten wird. Ist das nicht eine nette Art, dieses Getränk zu präsentieren?

Am linken Bildrand sieht man die Stäbchen, die als Besteck aufgetischt worden sind; leider handelt es sich nur um die Wegwerf-Variante aus Bambus. Ich verstehe ja den hygienischen Hintergrund, in einem Restaurant dieser Qualität sollten trotzdem lackierte Stäbchen zur Verfügung gestellt werden, auch wenn sie mehr Aufwand verursachen.

Die Vorspeise ist ein in Fischsud gekochter Rettich, genau richtig in der Intensität, um den Gaumen auf die weiteren Speisen vorzubereiten.

Die dann in Form einer Miso-Suppe mit Tofu kommen. Ganz leicht gewürzt, so dass man die Algen und Frühlingszwiebeln schön schmecken kann.

Ich lasse mir mit der Suppe Zeit, denn ich möchte sie eigentlich zusammen mit der Hauptspeise trinken und nicht als Zwischengang zu mir nehmen. Dazu ist sie auch zu heiß.

Im Hintergrund läuft ganz leise Easy-Listening-Musik auf der Gitarre, ich fühle mich fast an den Aufenthalt in einer Wellness-Oase erinnert, und entsprechend werde ich auch leicht schläfrig.

Das mit der Suppe klappt nicht, ich trinke sie aus, bevor die Hauptspeise kommt.Und die hat es in sich. Sie erscheint in Form zweier Bento-Boxen, die linke enthält den Sashimi-Teil, die rechte den Sushi-Teil. Ich gehe hier jetzt nur auf die Besonderheiten ein, die ich in den Boxen finde.

In dem linken unteren Feld finden sich gekochte Sojabohnen, Sellerie mit Karotten und Hackfleisch sowie Pulpo mit Tomatensauce.

Im linken oberen Feld der Sushi-Box befindet sich hervorragend mariniertes und gegartes Rindfleisch. Daneben ist ein Salat aus kleingeschnittenen, marinierten Algen platziert, der als Geschmacksneutralisierer dient.

Bei der Musik wird die Gitarre erst von einer Querflöte, dann von einem Geigenorchester abgelöst, das zu Beginn eher an einen Ball der einsamen Herzen gemahnt denn an ein Sushi-Lokal. Inzwischen aber spielen sie leicht atonal interpretierte moderne Klassiker der Rock- und Popgeschichte. Witzig.

Ich werde jetzt nicht durch die einzelnen Bestandteile der Boxen gehen, das würde zu weit oder zu nichts führen, denn es ist einfach alles erstklassig. Der Fisch ist absolut frisch, das Rind so hervorragend eingelegt und gegart, dass ich es erst beim zweiten Stück überhaupt erkennee, das Gemüse so knackig und feucht, wie es nur ein gerade geschnittenes Gemüse sein kann.

Inzwischen läuft – immer noch von dem Geigenorchester, jetzt aber mit Gitarrenunterstützung – “If a song could get me you”… also topmodern! (Hm, wieso fällt mir jetzt Helmuth Zachasüdfunk ähm -RIAS ein? Ach so, klar, ich bin ja in Berlin! 😉 Und der hatte auch die Angewohnheit, aktuelle Pop-Titel auf seiner Geige zu interpretieren).

Und von dem ganzen Bentoschmaus
Schaut nur noch ein Zitrönchen raus.

Bei der süßlichen Begleitmusik (jetzt läuft irgend ein Weihnachtstitel von WHAM! oder so… aber immer noch von den Geigern interpretiert) bekomme ich Lust auf eine Nachspeise, ein Mochi. Mal sehen, was kommt, denn das Sakura-Mochi von der süßen Bohnenpaste ist aus.

Okay, es ist ein Mochi von der Feige. Wenn der Koch gut ist, kann man auch bei so süßen Speisen wie einem Mochi den individuellen Geschmack der zuckersüßen Füllung noch differenziert herausschmecken. Das ist die hohe Kunst des japanischen Kochens, und diese steht jetzt auch vor mir, denn man kann die Feige ganz deutlich erkennen.

Mein Fazit: Das war auf alle Fälle japanische Küche von einer Qualität, wie man sie hier in Deutschland höchstens noch in einem oder zwei Restaurants in Düsseldorf bekommen kann. Ich mache mich jedenfalls wohlig gesättigt und absolut zufrieden auf den Weg zurück in mein Hotel, vielleicht mit einem kleinen Abstecher in einen Club. Wer weiß?


Heut’ geht’s mir gut! 😎

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