Die Schweizer Pässe-Tour 2010 – Tag 4

Der gestrige Tag war wirklich anstrengend. Trotzdem waren alle zum vereinbarten Zeitpunkt abfahrbereit, um 8:00 Uhr ging es los. Acht Uhr in den Alpen heißt auch im Spätsommer, dass man morgens in Tälern fährt, in die erst gegen Mittag die Sonne kommt. Entsprechend vorsichtig muss man sein, und die ersten Kilometer hinter Altdorf ließen wir es deshalb auch langsam angehen. Allerdings nicht lange, denn der letzte richtige Pass auf dieser Tour lag vor uns: Der Klausenpass. Vor drei Jahren wollten wir ihn im Juni befahren, allerdings war er da noch gesperrt. Jetzt aber war er offen, und diese Gelegenheit ließen wir uns nicht entgehen, vor allem mit der Gefahr im Hintergrund, dass er aufgrund einer Privatinitiative für Motorradfahrer gesperrt werden könnte.

Für Leute mit Höhenangst ist dieser Pass weniger geeignet, denn neben der recht schmalen Straße geht es steil und tief hinunter, speziell in dem Bereich “Lini” sollte man die Augen auf der Straße halten, da sie dort sehr schmal ist und ein Ausweichmanöver unangenehme Folgen haben könnte. Wir waren so früh auf der Strecke, dass außer uns nur Einheimische unterwegs waren, und diese stellten kaum ein Hindernis dar. Die Einen, weil sie schnell fuhren, die Anderen, weil sie bereitwillig Platz machten.

Um 8:20 Uhr erreichten wir die Passhöhe. Ja, 8:20 Uhr am Morgen!

Der Halt an dieser Stelle lohnt nicht nur, um sich für die kommende Straße etwas Energie zu holen. Die Aussicht ist in jeder Hinsicht atemberaubend:

Hinter der Passhöhe geht dann die Schlänglei hinunter in Richtung Linthal.

Leider lässt der Straßenzustand zu wünschen übrig – es kann schon einmal vorkommen, dass tiefe Schlaglöcher mitten in einer Kurve zu finden sind – so dass man tunlichst mit unangenehmen Situationen rechnen sollte. Vor allem, weil die Strecke bis hinunter ins Tal eine offene Weide darstellt, und somit jederzeit mit Kühen und deren Hinterlassenschaften zu rechnen ist. Als wir dort entlang fuhren ruhte sich gerade ein kapitaler Berner Sennenhund mitten auf der Straße aus.

Je tiefer man ins Tal hinunter kommt, desto breiter wird die Straße, und desto schneller kann man es laufen lassen. Vor Linthal allerdings kommt unverhofft eine enge Kurvenfolge, die zu allem Überfluss auch noch mit Kopfsteinpflaster in den Kurven gesegnet ist.

Die Straße über Glarus hinunter zum Walensee war als reine Verbindungstrecke gedacht, erst in Näfels begann dann der Aufstieg hinauf auf das Südufer des Walensees, wo sich ein unvergleichliches Panorama auftut. Hier waren wir auch auf unserer letzten Schweiztour vorbeigekommen, und diesen Blick wollten wir ein zweites Mal genießen; daher nutzten wir diesen Ort denn auch zu einem verspäteten Frühstück.

Die Strecke am Walensee entlang und dann weiter über Sargans ins Hochrheintal ist geruhsam, sie schmeichelt dem Auge genauso wie den durch die vorangegangenen Anstrengungen gereizten Rückennerven. Gut ausgebaut, in hervorragendem Zustand, ohne Überraschungen liegt die Straße in der Landschaft. Erst in Sargans muss man etwas aufpassen, um nicht vom rechten Weg abzukommen. Wir haben diesen Weg in Sevelen verlassen und sind auf einen Abstecher nach Vaduz in Liechtenstein gefahren, um ein gemütliches Mittagessen zu uns zu nehmen.

Zurück auf unserer Tour bogen wir in Gams links ab, um über kleine Nebenstraßen nach Neu Sankt Johann zu gelangen. An diesem Tag führten die Rettungsdienste in der Schweiz eine Aktion durch, um Auto- und Motorradfahrern die Gefahren des Straßenverkehrs vor Augen zu führen: Rechts und links der Straßen waren an Unfallschwerpunkten grell bemalte Unfallfahrzeuge postiert. An einer Stelle war die Aktion aber offensichtlich schief gegangen: Vor einem solchen Unfallschwerpunkt wurde der Verkehr mit Handzeichen geregelt, und die Feuerwehr war gerade dabei, unter dem blau bemalten Unfallfahrzeug ein reales Auto hervorzuziehen…

In Neu Sankt Johann bogen wir rechts ab Richtung Schwägalp. Ein Umleitungsschild, das die Straße wegen einer Veranstaltung als gesperrt kennzeichnete, beachteten wir nicht, denn die Veranstaltung sollte bis 13:00 Uhr gehen, und es war 13:15. Bis zur Schwägalp ging auch alles gut, und man kann verstehen, warum diese Strecke unter den Töff-Fahrern der Gegend so beliebt ist: Sie besteht aus hervorragend ausgebauten Kurven, auf die nichts anderes als Kurven folgen. Ab der  Schwägalp aber waren die folgenden 20 km “etwas unangenehm” (um es höflich auszudrücken) – wir hatten nicht mitbekommen, dass die Veranstaltung der Almabtrieb war.

Und die Kühe wurden genau über die Strecke getrieben, auf der wir uns befanden. Nicht nur war die Straße voll mit ihren Hinterlassenschaften, die letzten Kilometer bis Waldstatt fuhren wir in einem endlosen Stau mit der Geschwindigkeit einer getriebenen Kuhherde.

Die folgende Route von Herisau über Konstanz nach Schaffhausen war aufgrund des Feiertags nur noch als Liaison zu sehen: Viele Autos, unangenehme Staus (speziell in Konstanz), und eine Uhr, die unaufhaltsam gen Abend tickte.  Nachdem es mir aufgrund des dichten Verkehrs nicht gelungen war, in Konstanz an die Uferpromenade zu fahren, machten wir einen kleinen Abstecher zur Anlegestelle zur Insel Mainau, um den Staub etwas herunter zu spülen.

Trotz der Reklame auf dem Schirm bestand das Getränk natürlich nur aus Apfelschorle. 🙁

Nach diese Pause ging es dann auf direktem Weg nach Schaffhausen. Ein kurzer Abstecher ins Hotel genügte, um das Gepäck los zu werden, anschließend beeilten wir uns, zu den Fällen zu kommen. Weshalb sonst will man denn schon nach Schaffhausen (wenn man nicht gerade ein Uhrenfetischist ist…)? Ich hätte es nicht geglaubt, aber selbst zu dieser Tageszeit war die Stelle, von der aus die Photos gemacht wurden, mit Touristen aus aller Herren Länder gut gefüllt.

Das Abendessen nahmen wir an diesem Tag in dem Chinarestaurant “Fung Ze Yuan” in der Neustadt 73 (in der Nähe des Hauptbahnhofs) ein, das uns von der Concierge unseres Hotels empfohlen worden war, und das ich nur weiterempfehlen kann. Wir hatten das Glück, den letzten Tisch ohne Reservierung zu bekommen, nach uns mussten einige Gäste ohne Abendessen wieder gehen.
Wir waren an diesem Tag zwar “nur” rund 300 km gefahren, trotzdem fielen wir nach dem Abendessen schon recht früh ins Bett. Alles in allem war es ein sehr schöner Tag gewesen!

Heut’ geht’s mit gut! 😎

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