Das Prinzip “Freude”

Einige Leser haben mich  gefragt, warum es in letzter Zeit “etwas still” um diesen Blog geworden ist. Hier kommt die Erklärung dazu.

Zuerst einmal eine Abgrenzung: BMW hat mit dem Slogan “Prinzip Freude” zum 1er einen guten, eingängigen Griff getan. Dieser Artikel befasst sich aber nicht mit dem BMW-Slogan, sondern mit einem Prinzip, das ich mir im letzten Jahr zusammengebaut habe.

Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich kürzer treten muss. Sowohl im Beruf als auch im Privatleben hatten sich immer mehr Aufgaben, Jobs, Hobbies und unvermeidliche Dinge angesammelt, die mir meine Zeit klauten. Ein Teilprojekt hier, eine Ausschusssitzung dort, ein Eintrag in dieses Blog, ein Posten in einem Verein da und immer öfter Einladungen, die man aussprechen muss oder nicht ablehnen kann. In dieser Situation schrieb ich mir zuerst einmal auf, was sich da alles angesammelt hatte. Anschließend überlegte ich, wie ich diesem Moloch entgehen konnte, ohne jemanden vor den Kopf zu stoßen oder zu brüskieren.

Nach langem Denken und Wirken habe ich ein Verfahren gefunden, mit dem ich sowohl im geschäftlichen, im öffentlichen wie im privaten Bereich meine Aufgaben regeln kann, so dass ich selbst Zeit für mich habe, bei dem aber die notwendigen Aufgaben nicht verloren gehen. Für dieses Verfahren habe ich den Slogan von BMW adaptiert:

Das Prinzip “Freude”

Man kann das Auswahlverfahren als einfachen Prozess darstellen, der ein paar eingängige Abfragen enthält. Die erste und wichtigste Frage lautet:

Muss ich die Aufgabe erledigen?

Um Aufgaben, für die diese Frage positiv zu beantworten ist, komme ich nicht herum. Es hat keinen Sinn, verärgert zu sein oder sich darüber aufzuregen, irgendwann muss das Thema erledigt werden. Für die Reihenfolge der Erledigung muss das Datum definiert werden, bis zu dem die Aufgabe erfüllt sein muss. Anschließend kommen die Aufgaben in eine Kladde, und dort werden sie nach den Kategorien “mache ich gerne”, “ist mir egal” und “mache ich ungern” eingeteilt.

Der nächste Schritt ist jetzt relevant: Für jede einzelne der mit “ungern” gekennzeichneten Aufgaben suche ich mir einen Grund, weshalb ich doch Freude daran habe, sie zu erledigen. Bei manchen fällt es leicht, bei anderen muss man sich auch selbst bestechen. Beispielsweise musste ich etwas an meinem Haus reparieren. Die Arbeit war schwer und aufwändig, und ich hatte sie schon länger vor mir hergeschoben (vor dem Erstellen der Kladde!). Beim Klassifizieren und Gewichten machte ich mir dann selbst ein Angebot: “Wenn die Reparatur beendet ist, darf ich wieder Freunde einladen, bis dahin sieht es so schlimm aus, dass man das niemandem zumuten kann.” Und da mir Einladungen Freude machen, habe ich der unangenehmen Aufgabe einen Aspekt der Freude zugeordnet. Vier Wochen später war die Reparatur erledigt, und zwei Tage danach waren die ersten Freunde zum Abendessen eingeladen.

Genau so gehe ich mit allen unumgängliche Aufgaben um. Ich klassifiziere sie und belohne mich mit der Erfüllung selbst. Und weil eine abgestrichene Aufgabenliste ein Erfolgserlebnis ist, vor allem, wenn die Aufgabe nur ungern erledigt wird, werden die “ungern”-Aufgaben bevorzugt erledigt.

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Bei Aufgaben, die ich nicht erledigen muss, kommt eine ganz einfache weitere Frage:

Will ich mich um die Aufgabe kümmern?

Kommt hier ein “nein” ist die Aufgabe gestorben. Ich streiche sie, und gebe der Person, die sie mir zugeteilt hat, ein höfliches, aber deutliches “Nein” als Antwort. Alle anderen Aufgaben kommen ebenfalls in die oben bereits erwähnte “Aufgabenkladde”.

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Ein weiterer Faktor bei meinem Prinzip “Freude” ist das Zeitmanagement. Das klingt hochtrabend, ist aber auch ganz einfach aufgebaut: Beruf, öffentliche und private Aufgaben haben ein Zeitkontingent, das einen monatlichen Wert bekommt und das nicht überzogen werden darf, beziehungsweise für dessen Überschreitung es extrem wichtige Gründe geben muss. Und dann gibt es noch einen zusätzlichen, sehr wichtigen Faktor: Es besteht ein Zeitkontingent, das nicht belegt oder verplant werden darf. Ich habe jeden Tag einen Zeitraum eingeplant, für den es keine Aufgaben gibt. Da kann ich Dinge machen, die ich ausschließlich für mich mache, die mir Freude machen, auf die ich Lust habe, und die in keiner Weise einen sittlichen Nährwert haben müssen. Sozusagen “dolce far niente”. Das kann bedeuten, dass ich mich ins Bett lege und schlafe, oder dass ich in Ruhe ein Buch lese, eine CD höre oder mich auf mein Babymonster setze und in der Gegend herumfahre.

Ich hatte mir überlegt, ob ich vielleicht sogar diesen Ausdruck als Überschrift über das Prinzip stellen sollte, doch so ganz trifft er den Kern der Sache nicht: Ich mache ja nicht Nichts in meiner “Freizeit”, meine Beschäftigung kann auch zielgerichtet sein, ich darf nur keine Verpflichtung haben, es zu tun, ich will es machen.

~*~

Als Folge dieses Vorgehens sind einige Dinge aus meiner Agenda gestrichen worden, und eines der Dinge war mein freiwilliges und vor allem unentgeltliche, aber nichts desto weniger sehr zeitaufwändiges Schreiben der Artikel in diesem Blog. Ich werde diese Tätigkeiten nicht einstellen, ich werde nur weniger Zeit dafür aufwenden. Auch hier folge ich also einfach meinem

Prinzip “Freude”

 Heut’ geht’s mir gut! 😎

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