VW Phaeton

Zurzeit findet man in den großen Sonntagszeitungen Annoncen von VW, in denen bundesweit Phaetons der mittleren Kategorie als Leasingfahrzeuge angeboten werden. Die Konditionen sind verlockend: Für 1-2 Jahre alte Fahrzeuge mit niedrigen Kilometerständen werden monatliche Leasingraten von etwas über 400 Euro aufgerufen – ohne Leasingsonderzahlung, versteht sich! Auch die kalkulierte Kilometerleistung liegt im Rahmen dessen, was man normalerweise pro Jahr fährt.

 

Bei einem solchen Angebot kann man schon ins Grübeln kommen. Also habe ich mich auf den Weg gemacht und mir einmal ein solches Fahrzeug angesehen:  3.0 Liter Diesel, ansonsten mit allem ausgestattet, was man braucht. Unnötige Dinge wie der automatische Abstandshalter oder ein Headup-Display sind dabei natürlich nicht enthalten.  Klingt immer noch interessant. Daraufhin habe ich mir einen (neuen) Phaeton über ein Wochenende für eine Probefahrt zur Verfügung stellen lassen, man will ja schließlich die Katze nicht im Sack kaufen.

Bevor ich jetzt hier auf meine Erfahrungen eingehen werde: Ich habe mich immer gefragt, wieso VW diesen Wagen unter dem Label “VW” verkauft und nicht eine der Marken nimmt, die sich aus historischen Gründen im Fundus befinden. Horch bietet sich zum Beispiel an. Inzwischen kenne ich die Antwort auf meine Frage. Doch dazu später mehr.

 

Eines vorweg: Ich möchte hier keinen objektiven Bericht abgeben, dazu sind Profis da. Ich gebe hier meinen ganz persönlichen Eindruck wieder, den ich bei der Probefahrt gewonnen habe, unter der Prämisse, mir diesen Wagen vielleicht zuzulegen. Es mag dem geneigten Leser vorkommen, als ob ich sehr einseitig werte, aber das liegt daran, dass mir die Punkte, die ich aufzähle, jeden Tag beim Einsteigen auffallen und sie für mich daher eben nicht nebensächlich sind.

Groß ist er, etwas schlanker als der 7er von BMW. Die Übersichtlichkeit lässt allerdings zu wünschen übrig, aber dafür gibt es die Einparkhilfen. Und nach hinten eine Kamera. Allerdings hat mich bei der ersten Rückwärtsfahrt das Bild so sehr fasziniert, dass ich beinahe vergessen hätte, zu bremsen. Aber nur beinahe.

Die Haptik im Innern (wir reden hier nicht über eine Leder-Komplettaustattung) mutet billig an: Große Plastikebenen, nur in den vertikalen Flächen durch zugegebenermaßen schöne Holzverkleidungen unterbrochen. Aber auch die Stellen, an denen gebürstetes “Metall” zum Vorschein kommt sind aus – Plastik.

Man sitzt auf den Sitzen, Seitenhalt ist sowohl auf der Sitzfläche als auch im Rückenbereich ein Fremdwort. Und das, obwohl der Wagen, den ich zur Verfügung hatte, über die 11fach verstellbaren Komfort-Sitze verfügte.

Die Mittelkonsole ist überladen. Selbst für mich, der von manchen Leuten als Nerd dargestellt wird, sind hier zu viele Funktionen konzentriert. Oder so unübersichtlich präsentiert, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht findet. Das selbe gilt für das Lenkrad. Hier gilt eindeutig: Weniger ist mehr, zumindest für mich. Aber ich bin auch ein absoluter Anhänger des iDrive-Systems von BMW… So habe ich zum Beispiel eine Funktion gesucht, um der netten Navigationsdame das Wort zu verbieten. In den Situationen, in denen ich sie einfach nicht hören will, weil ich den Weg kenne oder weil ich mich gerade unterhalte. Das geht aber nur in der dritten Ebene der Bedienung, und gilt dann für immer, also nicht einfach nur für diese eine aktuelle Durchsage.

Eine Kleinigkeit, die mich stört, weil ich geblendet werde: Der Dachhimmel ist immer in hellgrau gehalten, es besteht keine Möglichkeit, ihn schwarz zu wählen.

Über Motor und Getriebe muss ich kein Wort verlieren, diese verrichten ihre Arbeit, wie sie sollen: Unauffällig, immer im Hintergrund. Das bedeutet aber auch, dass mit dieser Motorisierung keine Beschleunigungsarien möglich sind. Durch die aufgezogenen Winterreifen konnte ich nicht schneller als 210 km/h fahren, bis dahin aber war der Wagen vom Fahrverhalten und der Lautstärke her mustergültig.

Gut platziert ist die “toter Winkel Warnung”, das habe ich in anderen Fahrzeugen schon weniger funktional erlebt. Negativ aufgefallen ist dafür die Fahrspurwarnung, diese kann zum Beispiel in Baustellen nicht mit einem einfachen Knopfdruck ausgeschaltet werden. Und 10km ruckelndes Lenkrad ist … nervend.

Genauso unangenehm ist der obere Abschluss der Türverkleidung. Auf diesem Abschluss liegt mein Arm, wenn ich Strecke fahre, also das Lenkrad nicht konzentriert halte, sondern nur führe. Dummerweise ist dieser Abschluss als harte Kante ausgeführt, was zum Ergebnis hat, dass man den Arm ganz schnell wieder von dieser Ablage herunter nimmt.

Diese Punkte sind mir schon auf den 40 km von VW zu mir nach Hause aufgefallen, den Rest des Wochenendes habe ich dann damit verbracht, nach Punkten zu suchen, die mir gefallen. Leider habe ich keine gefunden, die diesen Wagen vom Mitbewerb – 7er, A8 und S-Klasse – differenzieren. Und darin liegt auch die Antwort auf die Frage, die ich oben aufgeworfen habe: Warum verkauft Volkswagen diesen Wagen unter dem VW-Logo und nicht zum Beispiel unter dem Namen “Horch”? Die Antwort darauf ist ganz einfach: Weil es ein VW ist. Es ist definitiv kein Horch, und noch dazu nicht nur optisch einfach eine etwas vergrößerte Version des Passat.

Mein Fazit: Nach der Rückgabe des Wagens hat es richtig Spaß gemacht, in einem acht Jahre alten 7er nach Hause zu fahren. Ich werde mir sicher keinen Phaeton zulegen, das wird für mich persönlich durch nichts gerechtfertigt. Aber wenn die Preise in den Angeboten von VW weiter so fallen, stelle ich mir vielleicht einen kostenlos als Zweitwagen in den Hof…

Heut’ geht’s mir gut! 😎

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