Las Malvinas – Berlin

Wie man sich doch täuschen kann…

Auf dem Weg in mein Hotelzimmer ist mir ein Plakat mit einer Werbung für ein argentinisches Steakhaus aufgefallen. Allerdings nicht wegen der Bilder, sondern weil in der Speisekarte, die als Flyer im Aufzug auslag, alle normalen Preise durchgestrichen und statt dessen ein neuer, halbierter Preis eingetragen war.

Klar, es gibt Gebiete in Berlin, da habe ich das bei Ketten-Mexikanern schon erlebt, aber noch nicht in Friedrichshain. Und nicht in einem Steakhaus.

Also ging ich hin. Sehr im Zweifel mit mir selbst, ob ich dies nicht bereue, drehte ich sogar noch einmal ab, als ich des wenig einladenden Raucherbereich vor dem Restaurant ansichtig wurde, durch den man in das Lokal betreten muss.

Doch ich hatte bei dem Blick in das Restaurant gesehen, dass die Mehrzahl der Tische reserviert waren, also überredete mich und ging hinein. Die erste Überraschung war der Raucherbereich: Es roch nicht nach Rauch.

Die Karte kannte ich ja schon von dem Flyer, daher ging die Bestellung schnell: Eine scharfe Bohnensuppe und ein Entrecote mit Papa Asada und Sauce Bearnaise. Natürlich englisch.

Die Einrichtung ist ansprechend, man kann sich wohlfühlen.

Die nächste Überraschung kam direkt nach der Bestellung: Ich bekam vier Einback mit einer guten, leicht säuerlich abgeschmeckten Mayonaisse. Das hatte ich wirklich nicht erwartet.

Sehr schnell – das ist das Schicksal von Alleinessern – kam die Suppe. Aber auch die überraschte: Frisch gekocht, mit abgezogenen Paprika, Gemüsezwiebeln, Tomaten und wenigen Kidney-Bohnen, dafür umso mehr frischen, kleingeschnittenen Pepperoni. Ganz ehrlich: In welchem normalen Steak-Restaurant bekommt man eine frisch gekochte Bohnensuppe? Weder beim Blockhaus noch bei Churasco, von den Pseudo-Tex-Mex-Läden ganz zu schweigen. Ich bin beeindruckt.
Und dann kam die Hauptspeise, leider auch wieder zu schnell. Dafür auf den Punkt richtig gegart: die Kartoffel exakt durch, das Fleisch genau richtig.

Das Salat-Bouquet mit der Tomaten-Mayo und dem Paprikastück muss man unter “das wollen unsere Gäste so” abbuchen.

Auch die Bearnaise war überraschenderweise nicht die von Thomy, die man sonst überall vorgesetzt bekommt. Es war zwar keine echte Bearnaisse, sie hat aber trotzdem gut gepasst und geschmeckt.

Hier ist noch der Beweis, dass man auch in Deutschland sein Fleisch englisch bestellen kann und es dann auch so kommt: ;-)

Und sonst? Ich habe nette Gesprächspartner gefunden (ein Ire und eine Norwegerin saßen neben mir und suchten das Gespräch mit mir), ich habe einen gemütlichen Abend verbracht (na ja, eine gemütliche Stunde…) und besser gegessen als erwartet. Bezeichnend war, dass mehr als die Hälfte aller Besucher Nicht-Deutsche waren, ich weiß allerdings nicht, ob es Expatriates oder Touristen waren.

Die Beliebtheit des Restaurants sah man auch daran, dass die Hälfte aller Tische als reserviert gekennzeichnet waren …

und sie dann auch wirklich besetzt wurden. An einem Montag Abend!

Ein weiteres meiner Vorurteile wurde nicht bestätigt: Die Bedienung und der Barkeeper unterhielten sich auf spanisch. Das hatte ich wahrlich nicht erwartet…Heut’ geht’s mir gut! 8)

Posted in Restaurants | Leave a comment

Frens-Tapas – Kiel

Auf der Suche nach guten Restaurants in Kiel wurde mir von Kollegen eine Tapasbar im Jägersberg empfohlen. Da heute Montag ist und die meisten Läden geschlossen haben nutze ich die Gelegenheit, diese Lokation auszuprobieren.

Schon der Empfang ist herzlich, hell leuchtend lädt das Frens ein.

Die Inneneinrichtung ist typisch: Lange Tische bieten Platz für große Gruppen, die Wände sind in augenfreundlichem Gelb gestrichen, die Beleuchtung ist leicht schummrig. Das ist auch der Grund, warum die Bilder leicht unscharf sind. Ohne Blitz und aus der Hand geht es leider nicht besser. Und die Einstellung “fotographieren bei schummrigem Licht” habe ich erst später entdeckt…

Ich bin gespannt: Mein Platz gewährt mir einen Blick auf die entspannte Situation in der Küche. Eine Spanierin ist die Köchin, zwei Männer fuhrwerken um sie herum, eine Microonda ist im Einsatz… und dann gibt es noch die Chefin, die das gewählte Essen höchstpersönlich zu ausgewählten Tischen bringt.

Die Tische sind für größere Gruppen geeignet, ich kann mir schon vorstellen, dass man hier einfach eine größere Menge Tapas bestellt und diese gemeinsam verspeist … ABER: Die Portionen sind riesig. Die Datteln im Speck sind es vor allem vom Geschmack her, sie sind schneller weg als man sie beschreiben kann: Der Speck ist genau an der Grenze zwischen zu weich und knusprig, die Datteln zergehen auf der Zunge, ohne zu heiß zu sein.

Die Albondigas entpuppen sich als eine (sehr gute) Frikadelle von mindestens 200 Gramm, die Sauce ist leicht angeschärft, was man aber nur merkt, wenn man sie alleine isst,

und die eigentlich als Beilage gedachten Papas sind acht (8!) Kartoffeln, die fast doppelt so groß sind wie Drillinge. Aber es ist alles einfach nur gut. Die Mojo hat einen Hauch von Kreutzkümmel, den ich sonst aus der spanischen Küche nicht kenne, der aber hervorragend passt.

Und das frisch gebackene Brot mit der hausgemachten Aioli macht Lust auf mehr.

Was ich mir in Form von Kalbsleberstreifen mit Stücken von der Frühlingszwiebel und Zwiebelringen gönne, mit grobem Meersalz und einem Hauch Pfeffer gewürzt. Leider sind die Frühlingszwiebeln zu kurz in der Pfanne gewesen, die Leber war dafür zu lange darin. Aber die Idee kann man herausschmecken, und die ist klasse, auch wenn es für die Umsetzung heute Punktabzug geben muss.

Um mich herum sind inzwischen alle Tische belegt, auch mein Tisch wurde an drei Parteien vergeben (das ist ja fast wie in der Pfalz: “Eener geht noch!“), das Publikum besteht aus einer typischen Unimischung aus Studenten und Mittelbau. Die Lautstärke hält sich trotzdem auf einem Niveau, das auch Leute gesetzteren Alters (hüstel, hüstel) noch ertragen können.

Es ist nur logisch, dass ich mir noch einen Espresso gönne, das muss jetzt einfach sein.

Mein Fazit: Das nächste Mal muss ich mit einer größeren Gruppe her, dann kann jeder einzelne etwas bestellen, und jeder kann zugreifen. Die Vielfalt wird dadurch größer.

Heut’ geht’s mir gut! 8)

Posted in Restaurants | Leave a comment

Philip’s Brasserie – Bad Dürkheim

Tja, was soll ich sagen: Nachdem ich neulich schon durch einen Glückwunsch zum Geburtstag zu einem Essen in den Urban-Stuben gekommen bin, ging es mir dieses Mal nicht viel schlechter: Wiederum war ich nachmittags mit meinen Geburtstagsgeschenken bei Freunden zu Besuch, als diese mich ebenso kurzfristig zu einem Geburtstagsessen am selben Abend einluden. Diesmal ging es in Philip’s Brasserie in Bad Dürkheim, die es allerdings in dieser Form nicht mehr lang geben wird, Frau Filipek wird zusammen mit Herrn Brehm in das Hotel Central in Frankenthal umziehen, wo sie ab 1. Mai für das Restaurant verantwortlich sein werden.

Nun gut. An besagtem Abend ließen wir es uns am alten Ort noch einmal gut gehen. Wozu natürlich die Atmosphäre und das Ambiente sowie die sofort gereichten Antipasti zusammen mit dem Brot ihr Scherfleich beitrugen.

Da von den vier Teilnehmern des Abendessens zwei nicht mit der Einladung gerechnet hatten, bestellten wir uns nur eine Folge von Vorspeisen. Es fing an mit gebratenen Jakobsmuscheln im aufgeschlagenen Hummersud. Die nicht auf der Karte standen, Frau Filipek kennt mich aber so gut, dass sie mir auch Dinge abseits der Karte anbietet.

Ebenfalls als Vorspeise wurde der “warme Ziegenfrischkäse mit Birne, Rote Beete und Feldsalat” gewählt. Man achte auf den Teller.Natürlich durfte – wenn so etwas denn mal auf der Karte steht – das “Oxtatar mit scharfer Tomatenmarmelade und Kapernäpfeln” nicht fehlen.

Jede einzelne der Speisen war auf den Punkt genau so, wie man sich das vorstellt. Geschmacklich rund, auf die einzelnen Bestandteile eingehend und richtig temperiert. Gaumen, was willst Du mehr?

Jetzt kommt der Grund, weshalb ich oben auf den Teller verwiesen habe: Der Ziegenfrischkäse kam noch einmal, diesmal allerdings als Hauptspeise. Und siehe da: Für diesen Gang wurde ein anderer Teller gewählt.

Die aktuelle Spezialität war an diesem Abend “Rinderfiletstreifen aus dem Wok mit Gemüse, Koriander, Chili und Sesamnudeln”.

Die Nudeln wurden getrennt gereicht, dadurch fiel es nicht so sehr auf, wie groß die Portion in Wirklichkeit war. Auf der anderen Seite konnten wir dadurch alle davon probieren. ;-)

Besonders hervorzuheben war bei diesem Durchgang das “Filet vom spanischen Eichelschwein mit Schmorpaprika, Chorizo-Jus, Salbei und Polenta-Plätzchen”. Ich bin sonst nicht so für Schwein zu haben, da es die Angewohnheit hat, nach Schwein zu schmecken. Dieses hier aber hat einfach nur gut geschmeckt. Leicht süßlich, durch die Chorizo mit einer angenehmen Schärfe versehen, begleitet von einem Hauch Salbei.

Für eine Nachspeise war bei einem solch opulenten Mahl natürlich kein Platz mehr, daher verließen wir das Restaurant nach einem gelungenen Abend mit angenehmer Unterhaltung und hervorragendem Essen sehr zufrieden.

Mein Fazit: Was soll ich da sagen? Natürlich komme ich immer wieder gerne in Philip’s Brasserie, ob ich allerdings den doch etwas weiteren Weg nach Frankenthal auf mich nehmen werde ist fraglich. Mal sehen, wer oder was als Nachfolger in die Lokalität am Römerplatz in Dürkheim kommen wird.

Heut’ geht’s mir gut! 8)

Posted in Restaurants | Leave a comment

Restaurant St. Urban im Deidesheimer Hof – Deidesheim

Manchmal kommt es ganz anders als man denkt. Vor Kurzem wollte ich einem Freund am späten Nachmittag zum Geburtstag gratulieren, doch leider habe ich nur seine liebe Frau angetroffen, so dass ich ihm sein Geburtstagsgeschenk (ja ja, wie immer Cantuccini) nicht persönlich überreichen konnte. Statt dessen überraschte sie mich mit einer ganz kurzfristigen Einladung, mit ihnen gemeinsam an diesem Abend Essen zu gehen. Sie hatten sich einen Tisch in den Urban-Stuben reserviert. Selbstredend habe ich diese Einladung dankend angenommen. ;-)

Zur Einstimmung gibt es an diesem Tag zuerst einmal etwas ganz Bodenständiges:

Getrocknete Bratwurst mit Zwiebelbrot, Schmalz und Butter

Die Bratwurst ist etwas knoblauchlastig, da wir aber alle am nächsten Tag keine Termine haben stört uns das wenig. Ganz im Gegenteil: Die Wurst stellt einen schönen Gegenpart zu dem Zwiebelbrot dar.

Wir sind aber natürlich nicht wegen des Zwiebelbrots, sondern wegen der bekannt guten gehobenen Küche der Urbanstuben hier, weshalb wir uns als nächsten Gang eine

Terrine von der Pute auf Rote Beete-Carpaggio mit Trüffelschaum

bestellen. Ich stehe normalerweise mit Rote Beete auf Kriegsfuß, da sie mir zu erdig schmeckt. Hier aber ist sie so gekonnt zubereitet und so dünn geschnitten, dass sie einen schönen Kontrast zu der mit Trüffelschaum gekrönten Terinne darstellt. So lasse ich mir das bieten!

Als Zwischengang gönnen wir uns einen

Cappucino vom Hokkaido-Kürbis mit Garnele

Dieser Tasseninhalt führt den Gaumen schön von Luft und Erde hin zur See. Der Kürbis greift das Bodengebundene auf, die auf den Punkt gegarte Garnele bringt die notwendige Leichtigkeit in diesen Zwischengang.

Wohingegen es der Hauptspeise schon aufgrund der Zubereitung an Leichtigkeit mangelt, denn wie kann etwas gratiniertes leicht sein?

Variation vom Edelfisch mit Estragonschaum gratiniert auf Blattspinat

Diese Speise ist der Beweis dafür, dass durch das Gratinieren keine Schwere in ein Gericht kommen muss, denn trotz des Gratinierens ist dieser Fischteller wunderbar leicht, die Fische sind gerade noch glasig und die Sauce hat ihren flüssigen Charakter beibehalten. Begleitet wird diese Variation von frisch gemachten Tagliatelle, die – wie auch die  Terrine – leicht getrüffelt sind.

Eine Nachspeise genehmigen wir uns nicht mehr, das wäre sonst in Völlerei ausgeartet. ;-)

Mein Fazit: Die Urbanstuben sind immer einen Besuch wert, und wenn man diesen Besuch mit lieben Freunden genießen kann, ist es umso schöner.

Heut geht’s mir gut! 8)

Posted in Restaurants | Leave a comment

Kieler Einzelhandel ;-)

Bei einem meiner Spaziergänge durch Kiel ist mir mitten in der Stadt das unten gezeigte Gebäude aufgefallen.

Normalerweise besteht zwischen Handel und Gewerbe ja ein großer Unterschied. So ist in den meisten kleineren Städten in Gewerbegebieten der Handel nur unter bestimmten Umständen zulässig, und “Gewerbebetriebe” sind sogar meist ganz verboten. In Kiel aber sind da die Grenzen irgendwie schwimmend.

Fällt ein Dreier in diesem Gebäude auch unter Einzelhandel, oder braucht die Herbergsmutter dafür eine Großhandelszulassung? 8)

Heut’ geht’s mir gut! 8)

Posted in Quickie, Witzig | Leave a comment

Admiral – Weisenheim am Berg – Das Trüffelmenü 2012

Einmal im Jahr gibt es im Admiral ein Ereignis, das ich mir nicht entgehen lasse, für das ich auch wichtige private Termine verschiebe:

Das Trüffelmenü

Bei diesem Menü zeigt Alexander Hundt jedes Jahr auf neue seine Klasse. Ich bin noch nie enttäuscht worden, und natürlich hoffe ich, dass das auch heute nicht der Fall sein wird.

Der Abend beginnt mit einem ganz leicht getrüffelten Focaccia mit einer Balsamico-Öl-Mischung. Wer jetzt den Fehler macht, davon zu viel zu essen (was man bei diesem Geschmack einfach machen muss!), der wird es später bereuen.

Weil sich der Ablauf des Abends etwas verzögert, da wir auf einen kompletten Tisch warten, gibt es als erstes Amuse Gueule eine

Gebratene Blutwurst auf Steckrüben-Gemüse

Blutwurst in einem Feinschmeckerlokal? JA! JA! Vor allem in dieser Kombination! Außen leicht paniert, innen durch das Braten flüssig. Und in den Steckrüben findet sich der für den Abend namensgebende Trüffel. Ein wirklich schöner Einstieg.

Der durch das zweite Amuse Gueule noch getoppt wird:

Karotten-Ravioli auf Kürbismus

Von dem mir aber leider die Aufnahme fehlt, irgendwie habe ich da gepennt… mea culpa!

Dafür habe ich bei der ersten “richtigen” Vorspeise aufgepasst.

Carpaccio von angeräuchertem Rinderfilet
Ruccola-Pinienkernpesto

Wenn ich nur daran denke läuft mir das Wasser im Munde zusammen. Irgendwie ist es schlecht, einen Text zu verfassen, wenn man die ganze Zeit eine Serviette in der Hand halten muss. ;-)

Die mundwässernde Eigenschaft hat auch der nächste Gang.

Rahmsuppe von Petersilienwurzeln mit Kaisergranat

Schon in der Rohfassung macht diese Suppe an, vollendeten Genuss verspricht aber das mit Trüffel vervollständigte Gesamt-Kunstwerk:

Jetzt müsste es das Geruchs-Internet geben…

Auf der anderen Seite hätte man dann ja keinen Anlass mehr, sich diese Dinge im Original vorsetzen zu lassen. Wie zum Beispiel das wohl einfachste, dafür aber wegen seiner Einfachkeit besonders geliebte Trüffelgericht:

Tagliatelle

Frische, selbstgemachte Tagliattele, in einer Jus gewendet, bedeckt mit der schwarzen Knolle. Besser geht es nicht.

Wenn man von dem Hauptgang absieht, den ich in dieser Form schon des Öfteren genießen durfte, da er zu meinen Lieblingsspeisen gehört.

Taube und Gänsestopfleber im Filoteig
glasierte Artischocken
Trüffelgnocchi

Hier passt einfach alles zusammen: Der leicht brüchige Filoteig, die fast cremige Konsistenz der Leber, der leichte Biss der Taubenbrust und dazu die Gnocchi, das alles überzogen von dem Trüffel, der zwar opulent gereicht wird, selbst jedoch nie zu sehr im Vordergrund steht.

Außerhalb der auf der Karte ausgedruckten Speisenfolge gibt es als nächstes ein

Trüffelrisotto

Nur eine Kleinigkeit, die aber absolut perfekt dargereicht. Schlotzig, ganz leicht vom Parmesan geküsst, dafür aber geadelt durch das Trüffelsößchen. Ich schwelge…

Leider war das Risotto schon der Abschluss der herzhaften Speisen, jetzt kommen die Nachspeisen. Die sich präsentieren als

Schokoladen-Nougatvariation
mit Blutorangen und Vanille-Essig

Einmal in voller Schönheit, noch ohne die Orangen,

und dann die Orangen, die zu der überwältigenden Süße von Nougat und Schokolade die notwendige Säure beisteuern, die der Vanille-Essig von Haus aus nicht bieten kann.

Von links nach rechts findet man das Schokoladeneis, ein Espouma vom Nougat, ein Nougat-Parfait und zum Schluss das Schokoladen-Mousse. Zum Glück findet sich hier kein Trüffel, das wäre jetzt zu viel des Guten gewesen. Ich habe schon Trüffelmenüs genossen, bei denen auch das Eis und der Käse von Trüffel begleitet waren, aber da kommt dann irgendwann der Punkt, an dem man die Knolle nicht mehr sehen oder riechen kann. Und das will ja wohl keiner.

Mein Fazit? Zuerst einmal wurden meine positiven Erwartungen zu 100% erfüllt. Um genau zu sein: Sie wurden weit übertroffen. Was zum großen Teil an den Ergebnissen von Alexanders Hundts Kochkust liegt, die durch die dezente Weinauswahl (ein 2010er Grauburgunder von Holz-Weisbrodt, ein 2007er “Cuvée J” von Fluch-Gaul sowie ein 2012er “Cuvée Franziscus Diehl” von Diehl) sehr passend unterstützt wurden. Genauso hat natürlich auch der Service zum Gelingen des Abends beigetragen.

Ich freue mich schon auf das nächste Trüffelmenü und die verschiedenen anderen Gelegenheiten im Laufe des Jahres, hervorragendes Essen im Admiral genießen zu können.

Heut’ geht’s mir gut! 8)

 

Posted in Luxus, Restaurants | Leave a comment

Bellevue – Kiel – Quickie

Gestern war Valentinstag (ja, diese Einträge sind NICHT chronologisch angeordnet!). Dieser Termin tangiert mich nur peripher, gestern allerdings habe ich darunter zu leiden gehabt. Ich hatte in einem Restaurant um eine Reservierung für einen Tisch angefragt, diese wurde mir auch zugesagt, allerdings mit der Maßgabe, dass ich an diesem Tag als Einzelessender auf die Warteliste käme – wenn mein Tisch nicht für ein Paar benötigt werde, könnte ich ihn haben. Na toll, genau das, was ich brauche. Ich habe diese Reservierung natürlich sausen lassen und bin einfach so los gezogen. Was sich als sinnlos erwiesen hat. Alle Restaurants in der Holtenauer Straße, die ich in Betracht gezogen habe, waren komplett ausgebucht. Also bin ich etwas angesäuert zurück in mein Hotel gegangen, um mir dort per Zimmerservice ein Clubsandwich zu bestellen.

Dummerweise gibt es im Maritim keinen Zimmerservice (dazu kommt ein anderes Quickie!). Da ich jedoch an diesem Tag noch nichts gegessen hatte, musste ich etwas zu mir nehmen. Ich suchte also das Hotelrestaurant “Bellevue” im Keller auf und setzte mich dort an einen freien Tisch. Neben der Standardkarte gibt es dort immer auch Empfehlungen des Küchenchefs, und aus diesen wählte ich mir eine Vor- und eine Nachspeise aus.

Nach der Bestellung wurde ich mit frisch aufgebackenen unterschiedlichen Mini-Brötchen, einer Butterterrinne sowie etwas Schweineschmalz beglückt. Die nicht lang überlebten. ;-)

Woraufhin ich meine erste Überraschung erlebte: Ich bekam ein amuse gueule vorgesetzt, einen Salat von Flusskrebsen mit Sellerie- und Karottenjulienne. Nicht nur, dass ich das in keiner Weise erwartet hatte, es schmeckte auch wirklich gut.

Dann kam die Suppe vom hiesigen Kürbis mit Ingwer, Kokosmilch und Kieler Garnelen. In dem Teller, der dazu vor mir platziert wurde, befanden sich die ansehnlich klein geschnittenen Garnelen, auf die dann aus einer kleinen Terrine die Suppe geschöpft wurde. Diese Art der Präsentation in der Maniriertheit der 70er Jahre passt genau zu dem Hotel, auch es ist auf dem Stand dieser Jahre stehen geblieben. Immerhin war die Suppe sehr gut abgeschmeckt, der Ingwer war wunderbar eingebunden und stach nicht heraus, und er eigengeschmack der Kieler Garnelen wurde insgesamt gut unterstützt. sehr gut gelungen.

Als Nachspeise hatte ich mir Dannauer Frohsinn, einen kräftigen Weichkäse mit Feigensenf und Walnussbrot bestellt. Der Dannauer war leider nicht mehr da, es wurde mir jedoch ein vergleichbarer französischer Weichkäse angeboten, den ich gerne annahm. Jetzt erwies es sich als vorteilhaft, dass ich keine Hauptspeise genommen hatte: Ich bekam einen halben Käse von rund 10cm Durchmesser vorgesetzt, schön garniert mit Apfel- und Birnenschnitzen, begleitet von ein paar roten Trauben sowie drei Scheiben des etwas zu rösch gebackenen Walnussbrots. Gleichzeitig wurde auch der Brotkorb frisch gefüllt, Brot hatte ich also genug.

Mein Fazit? Das Essen war überraschend gut, diese Qualität hatte ich in diesem in den 70er Jahren stehengebliebenen Hotel nicht erwartet. Allerdings gab es auch sehr negative Punkte, die einfach nicht zu dem eigenen Anspruch passen. So wurden zum Beispiel in dem Restaurant die benutzten Teller und Bestecke aus dem Nebenzimmer, in dem eine größere Gruppe dinierte, sortiert und gestapelt, was mit entsprechenden Geräuschen und vor allem Gesprächen der Servicekräfte einher ging. Die Tischdecke am Nebentisch hatte Flecken, und die Flasche des offenen Weins, den ich mir zu meinem Essen bestellt hatte, war nicht erst an diesem Abend geöffnet worden. Er war abgestanden, was einer Oberbergener Bassgeige nicht gut steht.

Dummerweise hat sich der Eindruck des Restaurants bei einem zweiten Besuch bestätigt: Die Küche ist gut, alles andere bedarf dringend der Renovierung.

Heut’ geht’s mir gut! 8)

 

Posted in Quickie, Restaurants | Leave a comment

Atame – Berlin

Auf dem Weg zwischen einem Kundentermin und meinem Hotel bin ich vor Kurzem bei einem Spanier vorbeigekommen, der vielversprechend aussah. Gleich am nächsten Tag bot sich dann die Gelegenheit, das Restaurant auszuprobieren, da wir am Nachmittag eine Kleinigkeit zu uns nehmen wollten, um am Abend noch weiterarbeiten zu können. Also fielen wir gemeinsam gegen 17:00 in das Atame ein.

Leider hatte ich an diesem Abend nur mein Handy dabei, deshalb musste ich bei der Einrichtung auf ein Photo der Homepage des Restaurants zurückgreifen. Das nimmt allerdings der urigen Einrichtung nichts von ihrem Flair.

(c) Karsten Thielker Die Speisekarte lässt nichts zu wünschen übrig: Kalte und warme Tapas, eine große, sehr ansprechende Tapas-Vitrine in der Bar, ein Tagesangebot sowie eine reichhaltige Getränkeauswahl stehen zur Verfügung. Wir aber sind konservativ und wählen “Entremeses”, einen Tapasteller mit Serrano, Chorizo, Salami, Manchego und Oliven,

ich lasse uns eine Auswahl aus drei der köstlichen Produkte aus der Vitrine bringen (Pfannkuchen mit Schafs-Frischkäse und Paprika gefüllt, Garnelen mit Zucchini, sowie Albondigas mit Gemüse), die wirklich lecker sind,

dazu kommen noch Pimientos do Padron

Chorizo vom iberischen Schwein

und natürlich Datteln mit Speck, die aber schneller gegessen werden als ich sie photographieren kann. :-) Dasselbe Schicksal des zu langsamen Photographen trifft auch den frittierten Ziegenkäse mit karamellisierten Zwiebeln und Honig. Nur ein Hinweis: Diese Speise steht auf der Tageskarte, ob sie also zu einem anderen Termin zur Verfügung steht kann ich nicht sagen…

Und weil wir noch Lust auf einen kleinen Nachschlag haben, gönnen wir uns eine spanische Tortilla, ein Omelette mit Kartoffeln und Zwiebeln. Was keiner von uns bereut.

Mein Fazit: Wir werden sicher unser Projekt nutzen, um hier des Öfteren einen gemütlichen und genussvollen Abend zu verbringen.

Heut’ geht’s mir gut! 8)

Posted in Restaurants | Leave a comment

Jonny Turista – Köln – Quickie

Es ist schon erstaunlich, was man mit der richtigen Ausleuchtung und einem geschickt gewählten Blickwinkel ausrichten kann. Vor einiger Zeit wollten wir nach einem arbeitsreichen Tag in eine nette Tapasbar gehen, und aufgrund der Darstellung im Internet wählten wir das Jonny Turista im Mauritiussteinweg 74 in Köln aus.

Leider stand der von uns reservierte Tisch direkt neben der Türe, mitten im konstanten Zug. Und da es draußen kalt und nass war, war es richtig ungemütlich. Dass die Stühle alle wackelig waren und die Sauberkeit des Tischs … verbesserungsfähig war, hat uns erst einmal nicht gestört. Irgendwann – nach ca. 10 Minuten! – kam dann jemand, um unsere erste Bestellung aufzunehmen, die auch kurz darauf gebracht wurde. Zur Hälfte. Auf die andere Hälfte warteten wir dann noch einmal 20 Minuten.

Das Essen an sich war gut. Wir hatten uns aus der reichhaltigen Speisekarte Oliven, saure Sardellen und Patatas Bravas sowie Speckdatteln, frittierte Sardellen und eine Kartoffel-Tortilla bestellt. Was will man daran auch falsch machen? Na ja, die Tortilla war, nachdem sie mal gekommen war, komplett trocken, die stand wahrscheinlich die ganze Wartezeit in der Küche rum, und die frittierten Sardellen, auf die wir ebenfalls so lange hatten warten müssen, war komplett mit Fett durchtränkt. Auch hier darf davon ausgegangen werden, dass sie schon lange fertig, aber einfach nicht geliefert worden waren. Ob diese Probleme in der Abstimmung zwischen Küche und Service oder nur auf einer der beiden Seiten lagen kann ich nicht sagen, es war mir auch egal. Ich habe mich einfach nur darüber geärgert, aber nachdem auch die dritte Erinnerung ins Leere lief, haben wir aufgegeben und bezahlt. Was im Übrigen verblüffend schnell über die Bühne ging.

Noch eine Anmerkung: Wir waren zu siebt und haben deshalb von den oben aufgeführten Speisen jeweils zwei bzw. drei Portionen bestellt, wir sahen das als den Einstieg in einen langen, gemütlichen Abend an, der von vielfältigen Genüssen begleitet werden sollte. Wir haben den Abend genossen, und es hat auch sehr gut geschmeckt, allerdings haben wir den Genuss in einem anderen Restaurant gefunden, in dem wir entsprechend gut bedient wurden. Aber das ist eine andere Geschichte.

Heut’ geht’s mir gut. 8)

Posted in Quickie, Restaurants | Leave a comment

Toshi – München

Wie das Leben so spielt: Eine für den nächsten Tag anberaumte Sitzung wurde kurzfristig um eine Stunde nach vorne verlegt, sodass ich bereits am Vorabend anreisen musste. Aus lauter Frust nutzte ich dengeschenkten Abend in München, um ganz gemütlich den lange ins Auge gefassten Besuch im Toshi zu realisieren.

Da ich keine Lust habe, irgendwo im Restaurant zu sitzen, habe ich mir einen Tisch zur Straße hin reserviert: Diese Tische stehen in einem ehemaligen Schaufenster, man sitzt also sozusagen auf dem Präsentierteller.

Mich stört das nicht, ganz im Gegenteil: Man hat einen hervorragenden Blick auf die vorbeischlitternden Fußgänger. ;-)


Der Abend beginnt vielversprechend: Da ich mir einen Sake zum Essen gönne, darf ich mir als erstes aus einer bunten Auswahl von Bechern einen aussuchen. Dies ist meine Wahl:
Der Sake selbst kommt sehr praktisch in einem glasierten Tongefäß, das in warmem Wasser steht. Bisher kannte ich nur die doppelwandigen Porzellangefäße zum Warmhalten des Sake.


Natürlich gibt es nicht nur den Sake, ich muss leider noch fahren, daher wird das Essen hauptsächlich von Grüntee begleitet.

Die Vorspeise kommt, 9 verschiedene Überraschungsvorspeisen:

Ich probiere die erste Zeile  von oben rechts, dann geht es in der Mitte von links weiter und endet in der dritten Zeile wieder von rechts .

Tofu
Ich weiß zwar nicht, wie der Tofu angemacht ist, er schmeckt jedenfalls intensiv nach… Soja? Ich weiß, das klingt etwas komisch, doch ich kenne diesen Geschmack nicht, und kann daher nur raten. Da er ganz entfernt an Sojaöl erinnert, kam mir der Gedanke, dass dies eventuell der originäre Soja-Geschmack ist.

Algen eingelegt und Algen gekocht
Die eingelegten Algen sind leicht pikant angemacht, dafür haben die gekochten einen intensiven Nori-Geschmack.

Schwein
Das Schwein könnte von der Konsistenz her fast Leber sein, der leicht an Lachs erinnernde Geschmack widerspricht dem jedoch.

Rind
Die Idee, das Rind von Dijon-Senf begleiten zu lassen, hat etwas. Das muss ich mir merken.

Lachs und Muschel
Der Lachs ist ganz kurz frittiert und anschließend sauer eingelegt, die Muschel ist im Gegensatz dazu als Tatar angemacht.

Rinderzunge
Die Miniatur-Rinderzunge ist optisch so gut gelungen, dass ich sie noch einmal alleine ins Bild setzen muss:

Leider lässt sie allerdings den typischen Geschmack und die passende Textur vermissen.

Gemischtes, gekochtes Gemüse
Über das Gemüse muss ich nichts verlieren, es handelt sich einfach um perfekt zubereitete saure Pickels.

Die neun Vorspeisen bieten eine Geschmacksvielfalt, die viel mehr als die neun einzelnen Speisen darstellt. Die Kombination hält Gaumen und Geschmackspapillen erheblich länger gefangen als eine einzelne Speise es könnte. Ein wahrer Genuss.

******

Etwas zu schnell kommt die Suppe, eine weiße Misosuppe mit Riesengarnele.

Schon optisch stellen die ganz kurz blanchierten Spargel und Pilzeteile einen Höhepunkt dar, hinter dem der Geschmack in keiner Weise zurücksteht. Und auch das Rettich- und Karottenstück drücken genau die Essenz ihres Seins aus: So gegart, dass sie gerade eben nicht mehr al dente sind, aber mit dem gesamten verfügbaren Geschmack versehen, der zu ihnen gehört.

Die Brühe ist ganz weich, fast süß, ohne den häufig anzutreffenden zu intensiven Geschmack nach Umami. Und dann kommt der Höhepunkt: Die Riesengarnele. Exakt auf den Punkt gegart, fällt sie fast von selbst aus der Schale. Der Geschmack kann nicht besser sein: Typisch Garnele, mit einem ganz leichten Hauch von Meer. Was will man mehr?

******
Gegrillte Gänsestopfleber und gekochter Rettich


Egal, ob ich beim Japaner oder Franzosen bin: Wenn ich eine Gänsestopfleber angeboten bekomme, nehme ich sie an. Diese hier ist sehr kurz angebraten und ganz leicht glasiert, auf einem weichgekochten Rettich, dessen stark zurückgenommener Eigengeschmack die Leber hervorragend unterstützt. Deren Konsistenz würde es erlauben, sie auf einem Toast zu verstreichen, kein Knötchen, keine durch das Braten hartgewordene Stelle. Sie ist einfach perfekt, bis hin zu dem ganz im Hintergrund auffindbaren Geschmack nach Fett.

Schon jetzt, vor der Hauptspeise, kann ich sagen, dass das Toshi nach meiner Wertung das Rennen gegen das Emiko wahrscheinlich gewonnen hat.

******
Sushi-Variation “Empfehlung vom Chef”

Generell: Der namensgebende Reis ist hervorragend, in Textur, Würze und Geschmack genau so, wie er sein soll. Ich sehe vor meinem geistigen Auge einen den Fächer schwingernden Sushi-Meister, der gerade dabei ist, den Reis zu temperieren und zu säuern…


Das Lachstatar-Maki… die Essenz einer Maki-Rolle
Der Aal – ohne Worte, einfach perfekt
Ebi – leicht nach Meer schmeckend, bissfest


Der Thunfisch: Typische Sushi-Qualität, ebenso der Lachs, beides nicht überragend, da es eben die typische Sushiqualität ist und nicht etwas Besonderes wie z.B. Toro.

Der Weissfisch besticht durch die Bissfestigkeit und den intensiven Lauchgeschmack. Wieso hebe ich das hervor? Weil er eben NICHT nach Fisch schmeckt.

******
Tagesdessert

Die Nachspeise. Bekanntermaßen kann ich darauf verzichten. Das gilt auch für diese: Ich kann ganz im Hintergrund etwas Sesam entdecken, aber sonst bin ich komplett unwissend. Natürlich schmeckt sie leicht süß, aber ich kann mich nicht damit anfreunden. Sie ist sicher gut, aber halt nichts für mich. Schade.

Auf Nachfrage wird wenigstens mein Geschmacksempfinden bestätigt: Es handelt sich um Sesampudding.

Was bleibt mir noch zu sagen? Wenig. Ich bin wohlig gesättigt, ich bin sehr damit zufrieden, mir diesen Abend gegönnt zu haben, ich glaube, dass das Toshi den Wettstreit des besten Japaners in München gewonnen hat, aber ich bin mir nicht sicher. Daher muss ich noch einmal ins Emiko, und dann ins Toshi, und dann nocheinmal ins Emiko und so weiter. ;-)

Heut’ geht’s mir gut! 8)

Posted in Restaurants | Leave a comment